Das Kürbisfeld von Kettwig — Post aus Kettville
Minimalistische Illustration eines Kürbisfelds am Straßenrand vor Kettwig
Das Kürbisfeld vor Kettwig, am helllichten Tag. Illustration für Post aus Kettville.

Post aus Kettville

Das Kürbisfeld von Kettwig

Eine Geschichte über Herbstferien zwischen Hamburg und Kettville, ein Autobahnschild, hinter dem das Urlaubsgefühl beginnt, und ein Feld voller Kürbisse, das jedes Jahr auftaucht und genauso zuverlässig wieder verschwindet.

Erzählt von Carola Hoffmeister · Essen-Kettwig

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Das Kürbisfeld von Kettwig

Einen Teil der Hamburger Schulferien verbringen wir in Kettville. Auch die Herbstferien. Spätestens seit meiner Zeit in Rom weiß ich, dass ich den Wechsel der Jahreszeiten brauche. Vielleicht gerade deshalb, weil er dort weniger zuverlässig war.

Am liebsten mag ich den Herbst. Die ersten Abende, an denen es wieder früher dunkel wird. Regen, der an die Fenster trommelt. Dieses plötzliche Bedürfnis, drinnen zu bleiben – und die Erlaubnis, es einfach zu tun.

Zu den Herbstferien in Kettville gehören buntes Laub und vergissmeinnichtblaue Tage, an denen der Himmel so klar ist, als hätte jemand die Farben noch einmal aufgedreht, bevor der Winter kommt.

Wann genau auf der Fahrt von Hamburg in den Süden das Urlaubsgefühl beginnt, kann ich nicht sagen. Vielleicht hinter Münster, wenn am Horizont die ersten Hochöfen auftauchen und der Kater auf der Rückbank immer noch tief und fest in seiner Box schläft. Ganz sicher aber beginnt es an dem blauen Autobahnschild mit der Ausfahrt nach Kettville.

Gleich sind wir da.

Die Abfahrt zieht sich in einer langen Kurve, fast wie ein halbes O. Zwei Ampeln später fahren wir auf der Meisenburgstraße. Rechts ein Blumenfeld zum Selberpflücken, links weites Land.

Und dann liegen dort plötzlich Kürbisse.

Hunderte, vielleicht Tausende.

Sie stehen in Pyramiden übereinander, liegen auf hölzernen Wagen oder in langen Reihen im Gras: orangefarbene Hokkaidos, gelbliche Butternuts, kleine Exemplare, die aussehen wie Ufos, und längliche Spaghettikürbisse, deren Fruchtfleisch später tatsächlich in langen Fäden auseinanderfällt.

Wenn du magst, stell dir kurz vor, wie du selbst zwischen den Reihen stehst und dir einen aussuchst.

Jedes Jahr frage ich mich, wer all diese Kürbisse kaufen soll. Und jedes Jahr sind sie irgendwann verschwunden.

Sie stehen dort jedes Jahr am Straßenrand wie ein übertrieben großes Willkommensschild.

Dann weiß ich: Wir sind angekommen.

Minimalistische Illustration des Kürbisfelds vor Kettwig bei Nacht
Dasselbe Feld, in der Nachtfassung der Geschichte. Illustration für Post aus Kettville.

Mein erstes Ritual im Reihenhaus ist immer dasselbe.

Ich gehe die Treppe hinunter in den Keller. Dort ist es angenehm kühl. In der hinteren Ecke steht ein grüner Schrank aus unserer ersten Küche. Ich öffne ihn, nehme eine Tüte Macadamianüsse aus einem Korb und greife hinein.

Eine Handvoll.

Vielleicht kannst du die kühle Luft im Keller für einen Moment selbst spüren. Die Tüte, die aufraschelt. Die Nüsse in deiner Hand.

Dann lösche ich unten das Licht und gehe im Dunkeln die Treppe wieder hinauf.

Was es mit dem Buchholzhof, dem Road-Stop nebenan und dem Spaziergang unter der Unterführung auf sich hat, erzählt die Folge.

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Die ganze Geschichte von Herbstferien, Kürbisfeld und Buchholzhof. Es gibt zwei Fassungen: Die Tagfassung endet in einem Autogenen Training, die Nachtfassung in einer Tiefschlafhypnose.

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Post aus Kettville · Kettville im Abendraum

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