Das Reihenhaus — Post aus Kettville
Poetische Illustration einer Reihenhaussiedlung aus den 1970er Jahren an einem Hang bei Kettwig
Die Reihenhaussiedlung am Hang, in warmem Licht. Illustration für Post aus Kettville.

Post aus Kettville

Das Reihenhaus

Eine Geschichte über eine Reihenhaussiedlung aus den 1970ern am Hang über Kettwig – über Nachbarschaft, Kindheit und Straßenlaternen, die aussehen wie Monde auf Stielen.

Erzählt von Carola Hoffmeister · Essen-Kettwig

Eine Wohnstraße am Hang, in die meine Eltern zogen, bevor ich geboren wurde. Es geht um das Haus, in dem alles begann – und um eine Nachbarschaft, die bis heute dazugehört.

Short ansehen: Monde auf Stielen

Das Reihenhaus

Ich bin in einer ruhigen Wohnstraße aufgewachsen, deren Häuser sich einen Hang hinaufstapeln. Die weißen Bungalows und Reihenhäuser wurden in den 1970er Jahren errichtet, und von der Ferne aus betrachtet, erinnern sie an eine Ferienanlage im Süden, vielleicht in Griechenland.

Meine Mutter hat mir kürzlich erst den Prospekt gezeigt, in dem das Projekt als Neubau beworben wurde. Ihre eigene Mutter, meine Oma, hatte die Anzeige damals in einer Zeitung gefunden und gesagt: Wäre das nicht was für euch? Meine Eltern suchten in jener Zeit nach einer gemeinsamen Unterkunft, und Kettville war immer schon schön.

Der Tag, an dem ich zur Welt kam, war der Tag unseres Einzugs. Da, wo heute der gepflasterte Weg vorbei an einem Wiesenstreifen und Vorgärten zu unserem Eingang verläuft, war in jener Zeit nur Matsch, auf dem ein paar Bretter lagen, so zumindest stelle ich es mir vor. Meine Mutter stand dann später mit mir als Baby auf dem Arm im Wohnzimmer und blickte durch die bodentiefen Fenster in die Straße, die damals noch kaum bebaut war. Sie sah auf einen Abhang, und der Morgen dampfte nebelig über der Erde. Stell es dir ruhig vor: eine junge Frau mit einem Kind auf dem Arm, ein stiller, neblig-heller Morgen.

Poetische Illustration einer ruhigen Wohnstraße mit Reihenhäusern aus den 1970er Jahren
Die Wohnstraße, still und vertraut. Illustration für Post aus Kettville.

Inzwischen gibt es sehr viele Häuser und Wohnungen in dieser Straße, die den Namen eines Flusses trägt, genau wie die umliegenden Straßen. Trotzdem steht man direkt im Grünen, sobald man die Tür öffnet. Und dadurch, dass es immer auch andere Kinder in der Straße gab, konnte ich immer mit jemandem spielen – irgendwo ist auch ein Sandkasten, zu dem heute eine Schaukel wie eine Hängematte hinzugekommen ist. In einem der letzten Häuser der Reihe lebt heute eine koreanische Familie, deren beide Töchter ungefähr im Alter meiner Tochter sind. Sie verabreden sich oft zum Spielen draußen, entweder per Textnachricht, oder sie stellen sich einfach unter das Fenster und rufen ihren Namen. Manchmal legen sie eine Decke auf den Weg vor unserem Haus. Die Treppenstufe aus schwarzem Stein, die zu unserem Eingang führt, dient ihnen als Tisch, auf dem ich Snacks und Getränke abstelle. Genauso habe ich es auch gemacht, als ich ein Kind war. Einmal habe ich Seifenblasenwasser getrunken, weil ich dachte, dass es ein Glas Apfelsaft sei.

Meine beste Freundin Katharina lebte in meiner Straße. Wenn wir uns verabredet haben, zum Beispiel, um zusammen zur Grundschule oder ins Zentrum von Kettville zu gehen, sagten wir immer: Wir sehen uns gleich im Wendekreis. Oft haben wir an dem Wiesenabhang gespielt, der sich parallel zu einem Teil der Straße erstreckt, oder in der Gemeinschaftsgarage. Dort standen die Autos unserer Eltern zufällig auf den Plätzen gegenüber. War ihr Auto weg, wusste ich, dass sie vielleicht nicht zu Hause ist. Ansonsten bin ich oft einfach vorbeigegangen und habe bei ihr an der Haustür geklingelt. Wenn ich bei ihr übernachtet habe, hatte ich meinen Wellensittich Piepmätzen dabei. Er war blau-weiß und ganz zahm. Oft bekam ich nachts Heimweh und wurde dann von meinen Eltern abgeholt und lief mit dem Käfig in der Hand den Weg zu unserem Haus – einmal durch den Wendekreis, an der Garage vorbei, die Treppenstufen hoch. Den Weg wiesen uns die Laternen mit runden Glaskugeln.

Wie Monde auf Stielen.

Als wir dann älter waren und mit den Freunden ihres Bruders spielten, trafen wir uns auch im Wendekreis. Als Zeichen, dass ich gleich runterkomme, habe ich einmal das Licht in meinem Zimmer an und ausgemacht …

Was es mit dem Morsezeichen im Kinderzimmer, der Dalgona-Süßigkeit der Nachbarn und dem leerstehenden Gartenbungalow auf sich hat, erzählt die Folge.

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Die ganze Geschichte von Kindheit, Nachbarschaft und den Laternen am Wendekreis. Es gibt zwei Fassungen: Die Tagfassung endet in einem Autogenen Training, die Nachtfassung in einer Tiefschlafhypnose.

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Post aus Kettville · Kettville im Abendraum

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