Post aus Kettville
Das Freibad von Kettwig
Eine Geschichte über morgendliche Bahnen im schönsten Freibad, das ich mir vorstellen kann, Kindheitserinnerungen an Pommes Schranke und Katharina, und die Ideen, die sich erst im Wasser einstellen.
Erzählt von Carola Hoffmeister · Essen-Kettwig
Morgens, bevor es im Freibad voll wird: grüner Tee, die ersten kalten Minuten im Wasser, und die Ideen, die sich dort manchmal von selbst einstellen.
Das Freibad von Kettwig
Neulich war ich am späten Nachmittag noch einmal im Freibad, kurz bevor es um achtzehn Uhr schließt. Ich wollte noch ein paar Bahnen schwimmen. Die Frau im Tickethäuschen, die mich inzwischen kennt, schüttelte den Kopf. Bahnen ziehen kann ich jetzt nicht mehr, sagte sie, dafür ist es viel zu voll. Aber sie ließ mich trotzdem hinein, ohne zu bezahlen, damit ich nach meiner Tochter und ihren Freundinnen suchen konnte.
An diesem heißen Sommertag sah das Freibad vollkommen anders aus als an ruhigen Morgen. Es erinnerte mich an eine Seite aus einem Wimmelbuch. Überall waren Menschen. Auf den Wiesen, im Wasser, am Beckenrand. Ein Mann trieb auf einem pinkfarbenen Reifen durchs Becken. Vor den Duschen hatte sich eine lange Schlange gebildet. Kinder spielten Fangen rund um die Becken. Vom Imbiss am Eingang roch es nach Pommes.
Nach wenigen Metern war mir klar, dass ich meine Tochter in diesem Gewimmel kaum finden würde. Also schlenderte ich einfach in Ruhe über die Wiesen und schaute an den Schattenplätzen unter den Bäumen nach.
Und während ich so zwischen Handtüchern und Picknickdecken hindurchging, musste ich plötzlich an früher denken. Denn genau hier bin ich selbst schon als Kind herumgelaufen. Ich mit Katharina. Wir saßen unter einem Baum oder spielten mit den anderen Kindern aus der Grundschule. Ich erinnere mich an ein Zwillingspaar, zwei Jungs mit sehr heller Haut, die in der Sonne glänzte. Ob es die Zwillinge aus unserer Straße waren, weiß ich bis heute nicht. Aber ich weiß noch, dass ich sie sah und aus irgendeinem Grund immer an Peter aus Die drei ??? denken musste, den Sportlichen der drei. Als gäbe es ihn plötzlich zweimal.
Am Kiosk holten wir uns damals Weingummi in Tüten und Pommes. Pommes Schranke sagt man im Ruhrgebiet dazu, wenn Ketchup und Mayo daraufkommen. Ich sage das eigentlich nie. Ich esse meine Pommes am liebsten mit Mayo. Aber irgendwie passen Pommes mit Ketchup fast noch besser ins Freibad.
Natürlich gibt es in Kettville auch ein Hallenbad. Es ist klein und stammt noch aus den Siebzigerjahren, mit rechteckigen beigefarbenen Kacheln und orangefarbenen Flächen dazwischen. Wir sind dort damals mit der ganzen Grundschulklasse geschwommen. Ich weiß noch, wie ich mir nach dem Schwimmen meine weiße Wollmütze über die nassen Haare zog. Sie stand oben spitz hoch, fast wie die Mütze eines Zwergs. Ich hatte damals oft Mittelohrentzündungen.
Aber zurück zu diesem Nachmittag im Freibad. Ich ging weiter in Richtung Ausgang und winkte der Frau im Tickethäuschen zu. Keine Chance heute, wollte ich sagen. Und genau in diesem Moment hörte ich hinter mir: Mama! Meine Tochter hatte mich entdeckt und kam auf mich zugelaufen. Wie schön, sie zu sehen. Gemeinsam fuhren wir nach Hause.
Das war ein Ausnahmenachmittag.
Normalerweise bin ich viel früher dort, gleich am Morgen, bevor es so voll wird.
Was es mit dem Marienkäfer-Blumenladen, der Idee für die Dreamtime Stories im Wasser und dem alten Ehepaar beim Walzer auf sich hat, erzählt die Folge.
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Die ganze Geschichte von morgendlichen Bahnen, Kindheitserinnerungen und dem schönsten Freibad der Welt. Es gibt zwei Fassungen: Die Tagfassung endet in einem Autogenen Training, die Nachtfassung in einer Tiefschlafhypnose.
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